Stipendiat*innen schaffen Einblicke – Ausstellungen in der Ausstellungshalle F6 und der Galerie

Interessierte sind noch bis zum 25. April 2021 dazu eingeladen, einen Blick in die Stiftung Künstlerdorf zu_werfen. Gezeigt werden Arbeiten von aktuellen Stipendiat*innen in den Räumlichkeiten der Ausstellungshalle F6 und der Galerie. Die Ausstellungen sind von Besucher*innen von außen einsehbar. Eine vorherige Anmeldung für die Besichtigung ist daher nicht erforderlich.

In der Ausstellungshalle F6 präsentieren Albert Coers und Carsten Lisecki, gegenwärtig Stipendiaten der Stiftung Künstlerdorf, Uminterpretationen von Alltäglichem und schaffen so neue Denkräume. Die Ausstellung trägt den Titel „TT“. Die doppelten Konsonanten stehen für ein gemeinsames Interesse der beiden Künstler – Tischtennis. Ähnlich wie beim Spiel dieser Sportart beschreiben Coers und Lisecki ihre Zusammenarbeit als einen raschen Wechsel im Hin- und Herspielen von Ideen und Gegenständen. Nicht zuletzt ermöglicht die Ausstellung gleich dem kontaktlosen Sport eine Begegnung auf Abstand: Alle Arbeiten sind so konzipiert, dass sie von außen nicht nur einzusehen sind, sondern auch hörbar. Die Arbeiten gehen dabei über die eigentliche Architektur der Ausstellungsfläche hinaus und bewegen sich zwischen dem Innen und Außen. Die Ausstellungshalle wird zum erweiterten Atelier, in dem für die Dauer der Ausstellung wechselnd neue Arbeiten entstehen.

Albert Coers arbeitet dabei vorwiegend mit Gebrauchsgegenständen, Fundstücken und sprachlichem Material. So finden sich in der Ausstellung auch Gegenstände aus dem Umfeld des Künstlerdorfes wieder, die Coers Vorort sammelt und in raumbezogenen Installationen neu anordnet. So beginnen im Alltag banale Gegenstände wie Tischtennisschläger, Möbel, Etiketten oder Bücher eine eigene Geschichte zu erzählen. Im Rahmen seines Aufenthalts entstand die Raum- und Klanginstallation UMLAUTE (Ä, Ö, Ü, Æ, Å, Ø). Buchstabendkarten aus der Bibliothek des Künstlerdorfes lassen in neuem Kontext platziert – an Ringen der Ostwand der Ausstellungshalle, die einst dazu dienten Vieh an ihnen festzubinden – die Assoziation an menschliche und tierische Laute und ihrer Darstellung als Zeichen zu.

www.albertcoers.com

Carsten Lisecki zeigt im Rahmen der Ausstellung Neuinterpretationen Sozialer Plastik anlässlich des 100. Geburtstages von Joseph Beuys. Auf dem Schiebetor des Außenraumes der Ausstellungshalle F6 entstand die Arbeit TOR. Das Tor erinnert aufgrund seiner Farbigkeit an eine Tischtennisplatte. Auf dieser sind sechs weiße Abdrücke sichtbar. Sie stammen von einem mit Kreide eingefärbten Fußball, den Lisecki in rascher Abfolge gegen das Tor schoss. In der Sequenz und der unterschiedlichen Deutlichkeit der Abdrücke ist noch der Bewegungsmoment ablesbar. Der Fußball ist im Innenraum getrennt auf einem Sockel präsentiert. Die Kreide dient hier als Stopper. In Zusammenarbeit mit dem Klangkünstler Benedikt Surmund produziert Lisecki, der sich selbst als Raumtaktiker versteht, darüber hinaus eine Dark Wave Performance unter der Titel `K+K Land` über den Mythos regionaler Supermärkte, die Entrümpelung von Wallfahrtskapellen sowie Konferenzen an Tischtennisplatten.

www.lisecki.com

Das Künstler*innenduo Gudrun Staiger und Rudi Beutinger (zusammen „verstoffwechselt“) geben in der Galerie Einblicke in einige ihrer, während des Aufenthalts im Künstlerdorf entstandenen, Arbeiten. Unter dem Titel „Crisis“ reflektieren sie in narrativen Rauminstallationen zeitaktuelle Themen. Dabei werden aktuelle politische Themen aus der Politik ebenso aufgegriffen wie der Klimawandel oder rassistische Ideologien. Die Ausstellung ist durch die Architektur der Galerie als Schaukasten angelegt und lädt den Betrachtenden vor der Fensterwand zum interaktiven Austausch ein.

Die Arbeit „Mahlzeit!“ setzt sich kritisch mit den Folgen des menschlichen Konsums auseinander. Immer mehr Kleinstpartikel aus Kunststoff gelangen durch Menschenverschulden in die Umwelt und werden so zur Nahrung verschiedenster Organismen. Das Künstlerduo nutzt eben jene Abfälle als Material, um dem Betrachter die Auswirkungen dieser Entwicklung vor Augen zu führen. Bestehend aus rund 2300 einzelnen Mosaikpixeln aus Kunststoffmüll fügt sich für den Betrachter auf einer Größe von 2 x 2,8 m die Darstellung eines durch den Verzehr von Plastikabfällen verendeten Vogel zusammen.

verstoffwechselt (Künstlerduo Gudrun Staiger/Rudi Beutinger), Triage, 2021, Arcyl auf Malkarton, je 25×25 cm

Mit der Serie „Triage“ beschäftigen sich Staiger und Beutinger mit gleich zwei zeitaktuellen Themen. Das Tragen von Masken begleitet seit Beginn der Pandemie das Leben jedes Einzelnen. Anstatt zu verhüllen, werden die dargestellten Personen hier erst mit Blick durch die Maske erkennbar. Die restliche Gestalt bleibt für den Betrachter verborgen. Durch den Titel werden alle vier Dargestellten als prominente Whistleblower enttarnt. Die Mundpartie, eben jene Partie des Gesichtes, welche sie erst zum Zentrum von Verfolgung und Verurteilung machte, wird durch das Tragen einer Maske sichtbar. Ein Symbol für die Stimmen, die gehört wurden, obgleich sie zum Schweigen bestimmt waren. Die Augen bleiben verborgen, ebenso wie der Mensch hinter dem Titel Whistleblower.

www.staiger-beutinger.de